Über 1000 Jahre Geschichte

Bis heute ist nicht abschließend geklärt, wann genau Amberg als Siedlung entstanden ist. Archäologische Funde bezeugen den Aufenthalt von Menschen in der Jungsteinzeit um 5500 v. Chr., eine erste Niederlassung ist in der Hallsteinzeit 800 v. Chr. belegt. Spätestens im 8. und 9. Jahrhundert n. Chr. ist eine Ortschaft entstanden, die schließlich 1034 in einer Urkunde als „Ammenberg“ erstmalig schriftlich erwähnt wird. Durch die günstige Lage an der Vils entwickelt sich der Ort schnell zu einem wichtigen Handelsplatz, das Oberpfälzer Eisen wird flussabwärts gegen Salz und Getreide getauscht. Im 13. Jahrhundert erhält der befestigte Markt schließlich das Stadtrecht.

Ist Amberg zunächst ein Lehen der Bamberger Erzbischöfe, geht die Stadt 1269 an das Haus der Wittelsbacher.

Entscheidende Bedeutung für die Stadtgeschichte hat der Hausvertrag von Pavia 1329: Damals teilen die Wittelsbacher ihren Besitz in zwei Linien auf. Die Bayerische Linie erhält Altbayern, die Pfälzer Linie die Rhein- und Oberpfalz. Amberg wird zum Regierungssitz in der geografisch „Oberen Pfalz“ – die der „Unteren Pfalz“ um Heidelberg gegenübersteht. Diese herausgehobene Stellung, Innovationen in der Metallverarbeitung sowie Absprachen mit Sulzbach und Nürnberg lassen die Stadt anwachsen und aufblühen. 1326 werden die Stadtgrenzen deutlich erweitert, 1348 das Rathaus erstmals erwähnt, 1417 vom Kurfürsten ein neues Schloss angelegt, 1421 mit dem Bau der riesigen Kirche St. Martin begonnen – die spätgotische Hallenkirche ist ein unübersehbarer Beleg bürgerlichen Selbstbewusstseins. Erst 100 Jahre später wird die Kirche fertiggestellt. Mit drei Kilometern Länge und 97 Toren, Türmen und Basteien stellt die Stadtmauer ein so ausgeklügeltes Befestigungssystem dar, dass der Chronist Michael Schweiger im 16. Jahrhundert sinngemäß schreibt: „München ist die schönste, Leipzig die reichste, Amberg die festeste Fürstenstadt des Reiches.“

Die Bedeutung als Fürstenstadt untermauert ein Großereignis:

Die Amberger Hochzeit 1474, ein Jahr vor der berühmten Landshuter Hochzeit. In Amberg heiratet damals Margarete, die Tochter des Herzogs von Bayern Landshut, den pfälzischen Kurprinzen Philipp. Ab dem 20. Februar 1474 erstrecken sich die Feierlichkeiten über gleich mehrere Tage, alleine mehr als 11.000 Hühner werden aufgetischt und tausende Liter Wein bereitgestellt. Allerdings ist das Verhältnis zum Kurfürsten nicht ohne Konflikte. 1453/54 kommt es zum sogenannten „Amberger Aufruhr“ gegen die Anerkennung Kurfürst Friedrichs I. Das städtische Selbstbewusstsein auf der einen, das Spannungsverhältnis zum Fürsten auf der anderen Seite prägen auch das 16. Jahrhundert. So zum Beispiel im „Amberger Lärmen“ 1592. Nach der Rats-Reformation ab 1538 ist die Stadt lutherisch, die Pfälzer Kurfürsten sind jedoch Calvinisten. Bis 1620 wechselt die Stadt fünfmal ihr Bekenntnis: Zunächst lutherisch, dann calvinistisch, dann wieder lutherisch, schließlich noch einmal calvinistisch und schlussendlich wieder dauerhaft katholisch.

Im 17. Jahrhundert nimmt das Schicksal der Stadt eine plötzliche Wendung: Nachdem Kurfürst Friedrich V. als „Winterkönig“ die böhmische Krone angenommen hat und den katholischen Habsburgern in der Schlacht am Weißen Berg 1620 nahe Prag unterlegen ist, wird Amberg wieder an Bayern angegliedert und rekatholisiert. Den Einwohnern bleibt nur die Wahl den Glauben zu wechseln oder auszuwandern. Obwohl Amberg kein Kriegsschauplatz im Dreißigjährigen Krieg ist, bricht die Wirtschaft aufgrund der Abwanderung, des Bedeutungsverlusts und des Erliegens des Bergbaus ein. Der katholische Glauben verändert Amberg: Als Dank, vor einer Pestepidemie 1633/34 verschont worden zu sein, entsteht die Wallfahrt auf den Mariahilfberg – 1717 wird dort schließlich die bis heute erhaltene Bergkirche nach Plänen von Wolfgang Dientzenhofer und mit Fresken von Cosmas Damian Asam fertiggestellt. Amberg wird immer wieder Ort militärischer Auseinandersetzungen, vor allem im Spanischen Erbfolgekrieg und in den Napoleonischen Kriegen – in der Schlacht von Amberg am 24. August 1796 unterliegt das französische Heer den Habsburgern, trotzdem ist Amberg deshalb bis heute auf dem Arc de Triomphe in Paris verewigt.

Bereits 1716 wird Amberg Garnisonsstadt

und bleibt es bis 2018. Als Teil des Königreichs Bayerns verliert Amberg den Regierungssitz der Oberpfalz 1810 an Regensburg. Gleichzeitig tun sich im 19. Jahrhundert neue wirtschaftliche Chancen durch die Ansiedlung der Gewehrfabrik, den Bau von Hochöfen und dem Eisenbahnanschluss 1859 auf. Durch neue Industrien wie zum Beispiel die Emailfabrik Gebrüder Baumann verändert sich die soziale Zusammensetzung der Stadt: Zunehmend siedeln sich auch Protestanten an. 1896 wird außerdem wieder eine Synagoge eröffnet.

Die 1920er Jahre sind von Umbrüchen, Streiks und Krisen geprägt.

Im Nationalsozialismus feiert man 1934 das 900-jährige Stadtjubiläum mit dem Stück „Amberger Blut“, das die mittelalterliche Stadtgeschichte im Sinne der Ideologie verfärbt. Jüdische Bürger werden zur Geschäftsaufgabe und Auswanderung gedrängt, die Synagoge wird in der Reichspogromnacht 1938 verwüstet. Während des Zweiten Weltkriegs werden die verbliebenen jüdischen Bürger deportiert und ermordet. Zwangsarbeiter werden in den lokalen Industriebetrieben eingesetzt. Die Amberger Altstadt wird nicht durch Luftangriffe zerstört. Am 19. August 1945 wird die Synagoge als erste in Bayern wieder genutzt. Durch Displaced Persons und Vertriebene wächst die Stadt deutlich an.

Auf- und Umbrüche sind maßgeblich für die Nachkriegszeit.

Aus der späteren DDR kommend siedelt sich ein großes Siemens-Werk in der Stadt an, außerdem sind neben der Bundeswehr US-Soldaten in der Stadt untergebracht. In den 1960ern wird ein Demonstrativ-Bauprogramm im Süden der Stadt gestartet, um dringend benötigten, modernen Wohnraum zu schaffen. Die Eingemeindungen im Rahmen der Kreisreform 1972 verdoppeln das Stadtgebiet. 1984 findet das 950-jährige Stadtjubiläum unter dem Motto „Ein Jahrtausend Amberg“ statt. 1992 ziehen die US-Soldaten ab. 1994 wird die spätere Ostbayerische Technische Hochschule (OTH) Amberg-Weiden gegründet. Die Landesgartenschau 1996 an der renaturierten Vils unter dem Motto „Stadt am Fluss“ begeistert 1,1 Millionen Besucherinnen und Besucher. 2009 wird schließlich das 975-jährige Stadtjubiläum gefeiert.

Heute ist die Stadt ein lebendiges Zentrum

im Herzen Europas mit modernen Unternehmen, einer lebendigen Stadtgesellschaft und einem vielfältigen kulturellen Angebot. Deshalb ist für Viele Amberg bis heute die „heimliche Hauptstadt der Oberpfalz“.

Text: Michael Herzog, Stadtmuseum Amberg